Digitalisierung und die Arche Noah - Warum erfolgreiche Digitalisierung eine Glaubensfrage ist

Digitale Transformation nebenbei funktioniert nicht. Wer nicht digitalisiert als würde es um Leben und Tod gehen entwickelt ein Unternehmen, das weder effizient noch agil ist.  Das Management muss eine Grundsatzentscheidung treffen und der Transformation des Unternehmens alles andere unterordnen.

Wenn Du glaubst, dass die Flut kommt, dann baust Du die verdammte Arche. Dann baust Du nicht erstmal ein halbfertiges Schiff und schaust mal weiter. Wenn Du glaubst, dass die Flut nicht kommt, dann schickst Du nicht irgendeinen Mitarbeiter auf ein Schiffsbauseminar in Berlin, während die anderen Mitarbeiter hart für die Kunden arbeiten.

 

Lion - go big or go home.
Digitalisierung: Mach's richtig oder mach's gar nicht.

Genauso ist es bei der Digitalisierung.  Die Unternehmensführung muss sich positionieren. Entweder „die Digitalisierung verändert die Gesellschaft fundamental und wir tun alles, um uns anzupassen und zu überleben“ oder „alles halb so wild und wir beschränken uns auf die Automatisierung von bestehenden Prozessen, wenn es einen positiven Kapitalwert gibt“. 

Die digitale Transformation von Unternehmen und der Gesellschaft sind Mammutprojekte, die aus vielen verschiedenen Einzelmaßnahmen zusammengesetzt werden.  Welchen Beitrag eine einzelne Maßnahme zum Ergebnis beiträgt, ist schwierig abzuschätzen. Frei nach „die Hälfte meiner Marketingmaßnahmen ist überflüssig, ich weiß leider nicht welche.“

Digitalisierung geht dabei weit über Prozessautomatisierung hinaus. Weitere Aspekte, zum Beispiel Kundenzentrierung, agiles Projektmanagement, digitale Kompetenzen oder Unternehmenskultur müssen betrachtet werden. Wer Digitalisierung meistern will, muss den Kern des Unternehmens ändern und nicht die Webseite.

Viele Unternehmen gehen Ihre Transformation aber halbherzig an: Zu wenig Manpower, zu wenig Budget, zaghafte und langwierige Entscheidungsprozesse.

Etablierte Werkzeuge aus dem Multi-Projekt-Management erstellen Maßnahmenportfolios auf Basis von Kapital- oder Nutzwertanalysen. Die Maßnahmen werden priorisiert und in entsprechender Reihenfolge abgearbeitet. Wie lässt sich aber ein niet- und nagelfester Business Case für ein Projekt berechnen, mit dem ein selbstführendes Team aufgebaut wird? Was ist der Kapitalwert einer Schulung für Visual Facilitation?  Im Zweifel werden Projekte durchgeführt, deren Nutzen sich klar belegen lässt. Die positiven Auswirkungen auf die Kapitalrendite durch geringeren Lagerbestand lassen sich zum Beispiel zweifelsfrei berechnen. 

Geht man aber davon aus, dass das gesamte Geschäftsmodell des Unternehmens durch die Digitalisierung erodieren wird, ändert sich die Prioritäten. Wenn man im Business Case nicht mehr gegen das Bestandsgeschäft, sondern gegen den Totalverlust rechnet, wird das Gesamtpaket digitale Transformation sehr wirtschaftlich.  Dieses Paket umfasst dann auch Maßnahmen, die keinen direkten Nutzen bringen, aber z.B. als Enabler die  kulturelle Veränderung vorantreiben.

In vielen Fällen beschränken sich Führungskräfte zu stark auf die Veränderungen in der eigenen Branche und bewertet den eigenen Fortschritt nur im Vergleich zu eigenen Ausgangsposition: „Wir haben viel getan und wir sind schon viel agiler als vor zwei Jahren. Früher hätte hier nie jemand geglaubt, dass wir was von Start-up-Buben ohne Doktortitel lernen können. “ Die absolute Position mag sich sogar verbessert haben. Dummerweise ist die Digitalisierung eine Revolution auf Koks und der Rückstand zur digitalen Konkurrenz hat sich in vielen Fällen trotz der eigenen Anstrengungen vergrößert. 

Aber warum diese Dramatik? Reicht es nicht aus, Digitalisierung zu einem wichtigen Thema von mehreren wichtigen Themen zu machen?  Aus meiner Sicht nicht. Durch die Komplexität der notwendigen Veränderungen werden notwendige Maßnahmen immer weiter verzögert.  Statt die überlebenswichtigen neuen Dinge zu tun, wird das Bekannte verwaltet. Als kleiner Exkurs hier die Parkinson’schen Gesetze.  

Digitalisierung braucht eine klare Vision, die das ganze Unternehmen mitreißt. Die Veränderung im Vergleich zum heutigen Status muss dabei so groß sein, dass sich alte Verhaltensweisen nicht wieder einschleichen können. Dem notwendigen Transformationsprozess muss zeitweise alles andere untergeordnet werden.

Wer sich nicht dazu durchringen kann bei der Digitalisierung aufs Ganze zu gehen, sollte sich auch dazu klar positionieren: „Wir konzentrieren uns auf unser heutiges Kerngeschäft. Wo uns digitale Technologien helfen, um bestehende Prozesse wirtschaftlicher zu gestalten, setzen wir diese ein.“ Das muss dann aber auch bedeuten, dass Lustreisen zum Start-up-Scouting nach Tel Aviv genauso gestrichen werden wie Keynotes von Sascha Lobo.  Wer Spielgeld für ein bisschen digitale Transformation zum Fenster rauswirft hat am Ende weder ein effizientes noch ein agiles Unternehmen. Kein Kunde bleibt wegen einer neuen App und kein Talent bleibt, weil es einmal im Jahr an einem Design-Thinking-Workshop teilnehmen darf.

 tl;dr: Digitalisierung - Go Big or go home.

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